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25.05.2007 11:01:44

... wenig überzeugt: Das neue (alte) ZEITmagazin

Zeit Magazin Cover 1
 
"Die Zeit" ist eines der wenigen deutschen Blätter, das es geschafft hat, seine Leserschaft in den letzten Jahren kontinuierlich zu steigern. Im Gegensatz zu den vielen Magazinen und Zeitungen, die in einem ständigen Prozess des inneren Wandels versuchten sich den mutmaßlichen Wünschen der Leser anzupassen, fuhr "Die Zeit" ein unangepasstes Konzept, das wegen seiner Sperrigkeit im deutschen Markt als einzigartig erkannt wurde und dementsprechend durch eine wachsende Leserschaft honoriert wurde. "Die Zeit" ist die einzige Wochenzeitung in der diskursiv argumentiert wird. Man kann hier öfters zwei oder mehr zum Teil deutlich unterschiedliche Positionen zu einem Thema lesen.
Nun hat das Blatt festgestellt, dass gerade die Anteile der jüngeren Leser und der weiblichen Leserinnen in der letzten Zeit stark zugenommen haben. Um dem Rechnung zu tragen, ...
wurde nun eine alte Idee wiederbelebt. Vor Jahren, als es der Zeit wirtschaftlich schlecht ging und eine Phase der Konsolidierung folgte, wurde das damals existierende "ZEITmagazin" eingestellt. Die Kosten waren zu hoch, die Leserschaft zu gering und das Magazin zu anders gegenüber der soliden Wochenzeitung. Jetzt glaubt man in der Redaktion, die passenden Leser wieder bei der Stange zu haben und genügend Geld gibt es anscheinend auch wieder. Was liegt da näher, als das alte Magazin wieder neu aufzulegen.
Doch was für ein Irrtum liegt dieser Entscheidung zu Grunde! Schließlich wuchs die Leserschaft der Zeit ja gerade ohne ein reich bebildertes Magazin. Die jungen und weiblichen Leser und Leserinnen goutierten das textbasierte Heft, sie interessierten sich für die oft seitenlangen Texte und die hintergründigen Reportagen und eben nicht für Lifestyle-orientierte Themen, mit Shopping-Giude, Wellness-Ecke und in rosa gehaltenen Illustrationen.
All das, mit möglichst kurzen Texten, müssen wir Leser nun in Form des neuen (alten) "ZEITmagazin Leben" wieder ertragen. In der ersten Auflage ist nur an einer Stelle eine echte Spezialität zu finden, die die besondere Form des Magazins nutzt: Die Mittelseite zum Ausklappen gibt ein wirklich beeindruckend großes Foto der Bühne und des Zuschauerraums der Semper Oper in Dresden frei und es wird versprochen, dass es hier immer einen Blick auf Deutschland von oben geben werde. Weiter sind ein paar Geschichten drin, die ich gerne in der Zeit selbst gelesen hätte (die Wallraff-Story, das Ackermann-Interview und die schöne Rubrik "der Traum"), aber den ganzen Rest brauche ich und vermutlich auch die bislang wachsende Zeit-Leserschaft nicht. Wir wollen keine Tipps für den Mann lesen, welche Sonnenbrille er zu tragen habe und bitte auch keine Schauspielerinnen-Interviews ohne erkennbaren Inhalt.

Das Layout des ca. Dina4-großen Hefts ist geradezu erschreckend Old-School, kombiniert mit ein paar aktuellen Vorlieben der Editorial Designer (z.B. kursive Serifenschriften in Versalzeilen - bäh!) und - natürlich Plicht im Fach Magazindesign - größeren Weißraumflächen. Harald Martenstein (der inzwischen vor lauter Vielschreiberei und Videoblogging leider auch nur noch über sein eigenes Schreiben sinniert) bringt es in seiner Kolumne auf den Punkt: "Der Artdirektor [schrille Schreibweise!?] verhält sich zur Kunst des sich schriftlich Ausdrückens wie [...] die kalte Dusche zur Erotik oder wie die Klimakatastrophe zu den Gletschern der Alpen."

Ich freue mich schon auf die nächste Konsolidierungsrunde.
Im Meinungsportal zum Zeitmagazin Leben herrscht übrigens auch nicht gerade eben Begeisterung.
 

Autor: 

Magnus Hengge

Kategorie: 

Journalismus

 Gesellschaft

 

 
 

Kommentare zu diesem Beitrag

 

wolfgang hille, 17.08.2007, 17:26

Jörg Fauser
>> Rohstoff
>> Roman
>> Verlag Ullstein GmbH 1984
>> Taschenbuch 24122
>>
>> Mit der Widmung
>> Für meine Eltern
>> versehen
>>
>> Als Jörg Fauser mit 43 Jahren ( betrunken auf der Autobahn
>> flanierend) von einem Lastwagen (tödlich) überfahren wurde, war er
>> verheiratet, ein finanziell avancierter Autor , in München in
>> gutbürgerlichen Verhältnissen lebend und alles andere als ein
>> (sogenannter) Undergroundschriftsteller ,als welchen manche ihn bis
>> heute gern sehen möchten. Was ihn von (klein)bürgerlicher
>> Wohlanständigkeit entfernte war die bloße Sucht. Weiter nichts.
>> Auch stand seine Kleinbürgerlichkeit, die er nie zu leugnen suchte,
>> von vornherein schon
>> jedem
>> Rebellentum im Weg. Was ihn in dieser Haltung des Kleinbürgerlichen
>> zudem
>> bestärkte war seine epigonenhafte von Benn herührende Form des
>> Denken
>> welche solcherlei gänzlich auszuschließen suchte.
>>>> Wobei seine Ungeschicklichkeiten , seine Unbefangenheiten und
>> Oberflächlichkeiten in allen diesen Dingen gerade seinen
>>> schriftstellerischen Reiz ausmachen und auch seine
>>> Plumpheiten und das Stolpern über seine eigenen Beine bewirken.
>>> Trotzdem ist sein Roman Rohstoff (der als sein bester gilt) eine
>> hinreißende Unterhaltungslektüre. . Kein Portrait of the artist as a
>> young man. Keine große Literatur a la Joyce, Proust und anderer. Doch
>> eine spannende Schiderung seines unerschütterlich gegangenen Weges
>> zum Schriftsteller , durch die schmutzigsten Kaschemmen Istanbuls,
>> die chaotischsten Kommunen Berlins und die verkommenste
>> Hausbesetzerszenerie Frankfurts und anderer desolater Orte
>> Westdeutschlands. Und allesdies in der absolut desolaten Rolle eines
>> hoffnungslosen Junkies und
>> Alkoholikers.
>> Es ist ein Schlüsselroman überflüssigerweise in Ich-Form
>> geschrieben und zugleich
>> mit Pseudonymen für die eigene und andere Personen versehen.
>>> Vielleicht auch darin ein wenig der Epigone eines seiner weiteren
>> Vorbilder Kerouac. Und selbst seine Rolle als Süchtiger trägt
>> epigonenhafte Züge. Doch bei aller Abhängigkeiten von anderen
>> literarischen Größen versteht er wirklich zu erzählen. Und es gelingt
>> ihm
>>> durch die verrottetsten Winkel all der oben genannten Orte zu
>>>>> ziehen, ohne sich dabei als Schriftsteller zu verlieren. So
>>>>> gelingen
>> ihm Schilderungen all dieser Milieus die so unvermittelt
>> ausfallen, so schlagfertig , so mittendrin und zugleich
>> reportagenhaft
>> distanziert , dass es ein Vergnügen ist sie zu
>>>>> lesen. Irgendetwas daran genial zu nennen ist absolut überflüssig.
Was ihn in all dem von ihm
>> geschilderten Desaster rettet ist neben seinem stets ohne alles an
>> Schwankungen festgehaltenen Zieles des Schriftstellers seine
>> Kleinbürgerlichkeit. Sie erlaubt es ihm bei allen seinen
>> schlimmsten
>>>>> Eskapaden nie den Boden unter den Füßen zu verlieren .
>>> So bewegte er sich in der Szenerie von 68
>>> fast wie ein Journalist , wie ein Mensch dem es selbst in den
>> wüstesten Geschehnissen gelingt nicht den Abstand zu verlieren. Und
>> so bei all
>> dem bisweilen mit fanatischem Ernst von anderen betriebenen auch
>> das Absurde, das
>>>>> Lächerliche, das Falsche und das Verlogene daran zu sehen. Der
>> großen mit küstlerischem Ehrgeiz versehenen Literatur steht das
>> beinahe naive, unmittelbare , unkünstlerische seines Stils, dessen
>>> Bodenständigkeit und Verstandesbetontheit ganz und gar im Weg.
>>>>>Und dies gilt auch im Vergeich mit seinem anderen dser
>> Unterhaltungslektüre zugehörigen Idol Hans Fallada
>>>>> dessen Mangel an Stabilität an
>>> haarsträubend Selbstmörderischem im gänzlich fehlt. Dazu war er
>> körperlich, seelisch und geistig viel zu robust und zu
>>>>> unanfällig für all das selbstquälerische, Todessehnsüchtige,
>>>>> Bodenlose Falladas und seiner Figuren. Dazu im Gegensatz spürt
>>>>> man
>>>>>
>> bei ihm gerade die Lust an der
>>>>> Wirklichkeit in der er sich bewegt. Und so wirkt sein Tod auch
>>>>> alles
>> andere
>>>>>als gesucht. Er wirkt als unglücklicher Zufall. Weiter nichts .




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Magnus, 18.10.2007, 18:43

Immer wieder erstaunlich, was sich in den Kommentaren so alles findet...

 


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Text ohne Takt
von Joachim A. Buroh

09.12.2007 22:03:41

... sichtbar

 
am Zusammenhang
gestanden

alles aus dem Kopf
gesagt

anscheinend
gelächelt

das Leidwesen gab sich
untröstlich
 
 

26.11.2007 19:21:10

... umtriebig

 
meine Opposition gewinnt die Wahl
meine Ausschreitungen
ich habe Sex im Wartehäuschen
meine Erwartungshaltung ist gering
den Rohstoffmarkt erobere ich
bin im Rennen um 450 Sitze
 
 

25.11.2007 14:17:49

... die Zweifel los

 
und entschieden aus
dem Beispiel treten

sachte aufwärts strömen
Kreise ziehen

ohne zu weinen
kleine Zweifel teilen
(und würfeln)