Jörg Fauser
>> Rohstoff
>> Roman
>> Verlag Ullstein GmbH 1984
>> Taschenbuch 24122
>>
>> Mit der Widmung
>> Für meine Eltern
>> versehen
>>
>> Als Jörg Fauser mit 43 Jahren ( betrunken auf der Autobahn
>> flanierend) von einem Lastwagen (tödlich) überfahren wurde, war er
>> verheiratet, ein finanziell avancierter Autor , in München in
>> gutbürgerlichen Verhältnissen lebend und alles andere als ein
>> (sogenannter) Undergroundschriftsteller ,als welchen manche ihn bis
>> heute gern sehen möchten. Was ihn von (klein)bürgerlicher
>> Wohlanständigkeit entfernte war die bloße Sucht. Weiter nichts.
>> Auch stand seine Kleinbürgerlichkeit, die er nie zu leugnen suchte,
>> von vornherein schon
>> jedem
>> Rebellentum im Weg. Was ihn in dieser Haltung des Kleinbürgerlichen
>> zudem
>> bestärkte war seine epigonenhafte von Benn herührende Form des
>> Denken
>> welche solcherlei gänzlich auszuschließen suchte.
>>>> Wobei seine Ungeschicklichkeiten , seine Unbefangenheiten und
>> Oberflächlichkeiten in allen diesen Dingen gerade seinen
>>> schriftstellerischen Reiz ausmachen und auch seine
>>> Plumpheiten und das Stolpern über seine eigenen Beine bewirken.
>>> Trotzdem ist sein Roman Rohstoff (der als sein bester gilt) eine
>> hinreißende Unterhaltungslektüre. . Kein Portrait of the artist as a
>> young man. Keine große Literatur a la Joyce, Proust und anderer. Doch
>> eine spannende Schiderung seines unerschütterlich gegangenen Weges
>> zum Schriftsteller , durch die schmutzigsten Kaschemmen Istanbuls,
>> die chaotischsten Kommunen Berlins und die verkommenste
>> Hausbesetzerszenerie Frankfurts und anderer desolater Orte
>> Westdeutschlands. Und allesdies in der absolut desolaten Rolle eines
>> hoffnungslosen Junkies und
>> Alkoholikers.
>> Es ist ein Schlüsselroman überflüssigerweise in Ich-Form
>> geschrieben und zugleich
>> mit Pseudonymen für die eigene und andere Personen versehen.
>>> Vielleicht auch darin ein wenig der Epigone eines seiner weiteren
>> Vorbilder Kerouac. Und selbst seine Rolle als Süchtiger trägt
>> epigonenhafte Züge. Doch bei aller Abhängigkeiten von anderen
>> literarischen Größen versteht er wirklich zu erzählen. Und es gelingt
>> ihm
>>> durch die verrottetsten Winkel all der oben genannten Orte zu
>>>>> ziehen, ohne sich dabei als Schriftsteller zu verlieren. So
>>>>> gelingen
>> ihm Schilderungen all dieser Milieus die so unvermittelt
>> ausfallen, so schlagfertig , so mittendrin und zugleich
>> reportagenhaft
>> distanziert , dass es ein Vergnügen ist sie zu
>>>>> lesen. Irgendetwas daran genial zu nennen ist absolut überflüssig.
Was ihn in all dem von ihm
>> geschilderten Desaster rettet ist neben seinem stets ohne alles an
>> Schwankungen festgehaltenen Zieles des Schriftstellers seine
>> Kleinbürgerlichkeit. Sie erlaubt es ihm bei allen seinen
>> schlimmsten
>>>>> Eskapaden nie den Boden unter den Füßen zu verlieren .
>>> So bewegte er sich in der Szenerie von 68
>>> fast wie ein Journalist , wie ein Mensch dem es selbst in den
>> wüstesten Geschehnissen gelingt nicht den Abstand zu verlieren. Und
>> so bei all
>> dem bisweilen mit fanatischem Ernst von anderen betriebenen auch
>> das Absurde, das
>>>>> Lächerliche, das Falsche und das Verlogene daran zu sehen. Der
>> großen mit küstlerischem Ehrgeiz versehenen Literatur steht das
>> beinahe naive, unmittelbare , unkünstlerische seines Stils, dessen
>>> Bodenständigkeit und Verstandesbetontheit ganz und gar im Weg.
>>>>>Und dies gilt auch im Vergeich mit seinem anderen dser
>> Unterhaltungslektüre zugehörigen Idol Hans Fallada
>>>>> dessen Mangel an Stabilität an
>>> haarsträubend Selbstmörderischem im gänzlich fehlt. Dazu war er
>> körperlich, seelisch und geistig viel zu robust und zu
>>>>> unanfällig für all das selbstquälerische, Todessehnsüchtige,
>>>>> Bodenlose Falladas und seiner Figuren. Dazu im Gegensatz spürt
>>>>> man
>>>>>
>> bei ihm gerade die Lust an der
>>>>> Wirklichkeit in der er sich bewegt. Und so wirkt sein Tod auch
>>>>> alles
>> andere
>>>>>als gesucht. Er wirkt als unglücklicher Zufall. Weiter nichts .
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Immer wieder erstaunlich, was sich in den Kommentaren so alles findet...