Zu Weihnachten noch was Nettes: Keinohrhasen von und mit Till Schweiger nebst Nora Tschirner und haufenweise deutschen Promis. Das Beste ist die Anfangssequenz: Jürgen Vogel spielt sich selbst und gibt sein erstes großes Interview nach einer umfassenden Schönheitsoperation. Ex-Haifisch-Gebiss-Vogel strahlt bis hinter beide Ohren mit nagelneuen Blendbeissern, aufgebauten Wangenknochen, blonden Haarimplantaten und einer völlig überzogenen JetSet-Bräune den "New positive Spirit" aus, der sich in etwa so zusammenfassen lässt. Sieht der Körper erst mal super aus, kommt die gute Laune und die Lebensfreude ganz von selbst hinterher. Til Schweiger als Klatschreporter Ludo ...
Man könnte meinen, in dem Film "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" ginge es darum die Geschichte, der James Bande zu erzählen. Doch tatsächlich ist diese nur der Hintergrund für die Geschichte seines Mörders Robert Ford, dessen Idol Jesse James war. Das ist sehr geschickt, weil sich der Film so mit einer Haltung der historischen Geschichte nähert, die die Legende des Jesse James auch heute noch lebendig hält. Schon zu Jesse James Lebzeiten wurden seine Verbrechen politisiert und sein Banditenleben im Sinne eines Wild West Robin Hood interpretiert. In den 1870er Jahren umspannte das amerikanische Eisenbahnnetz im Prinzip das ganze Land und die Zeitungen waren inzwischen auch im Fach Sensationspresse als Massenmedien entwickelt. Die Story des guten Bösen als Rächer der Armen wurde im großen Stil verbreitet und massenhaft gern geglaubt. Im Film wächst Robert Ford als glühender Verehrer des berühmten Gesetzlosen Jesse James auf. Er sammelte Zeitungsausschnitte und allerlei Fakten, die Ähnlichkeiten zwischen ihm und dem Leben seines Idols zu belegen schienen. Der kleine Robert ("Bob") will auch so sein, wie Jesse James, doch als er ihm endlich begegnet, erlebt er eine herbe Enttäuschung. Jesse James ist einfach ein instinktiv handelnder ...
Hans Weingartner hat Sendungsbewusstsein. Nach die "Fetten Jahre sind vorbei" ist jetzt "Free Rainer – Dein Fernseher lügt" im Kino. Die Geschichte ist einfach und spielt im Fach moderne Mythen: Ein skrupelloser und seit Jahren zugekokster TV-Produzent wird von einer Leidtragenden seiner Pseudo-Information-Shows zur Strecke gebracht. Beide erleiden bei dem heftigen Zusammenstoß einen Zusammenbruch, der für beide einen neuen Zusammenanfang möglich macht. Er erkennt wie falsch sein Handeln in der Verdummungsindustrie war und kämpft fortan mit allen Mittel gegen den Hauptfeind: Die TV-Quote. Denn im Leitmedium Fernsehen wird nun mal produziert, was die Leute am meisten gucken. Qualität ist kein Maßstab. Die Idee zur Lösung des Problems: Die Quote muss manipuliert werden. Kultur und echte Information werden aufgewertet, Beauty-Shows und Container-Formate runtergezogen. Das zwingt die Sender dazu Qualität zu senden, denn wie gesagt, produziert wird, was geguckt wird. Am Ende gelingt der Coup trotz Enttarnung des Betrugs und die Medienlandschaft wurde tatsächlich nachhaltig umgekrempelt. Denn die Menschen wollen weiter nur das sehen, was sie nach einigen Wochen manipuliertem HighQuality-TV gewohnt sind: Kulturfernsehen. Eine schöne Vision! Richtig super ist der Film immer dann, wenn er den Wahn der bestehenden TV-Welt zeigt bzw. parodiert. Die menschenverachtenden Shows, die der TV-Produzent macht, die idiotischen Kandidaten, die sich ganz toll ...
In einem Interview mit Fatih Akin hörte ich, dass er den Gewinn der Palme für das beste Drehbuch beim diesjährigen Festival in Canne sehr ironisch kommentierte. Der Regisseur war, während der Zeit als "Babel" gerade in den Kinos war, mit dem Schnitt für seinen Film "Auf der anderen Seite" beschäftigt und kam bei der Ansicht von Iñárritus Film ist Grübeln. Auch Akins Film verbindet mehrere Erzählstränge und weist auch inhaltlich einige Parallelen auf. Akin mochte Babel aber nicht und so entschloss er sich gemeinsam mit dem Cutter einen ganz anderen Film aus dem Material zu schneiden. Als Ergebnis hatte der fertige Film mit dem ursprünglichen Drehbuch nicht mehr viel zu tun und trotzdem bekam er eine Preis fürs Drehbuch. Bedeutet also, man wollte ihm ...
Die Walt Disney-Productions sind nicht gerade für Mainstream-Kritik bekannt, doch seit die Pixar-Leute die Kreativabteilung des alten Comic-Schlachtschiffes übernommen haben, bekommen die Filme zumindest einen kritischen Unterton. Meisterlich gelungen ist dies, beim Anti-Fast-Food-Massengeschmack-Film "Ratatouille". Kritik und Vermarktbarkeit gehen hier eine nie gekannte Einheit ein.
Zum Film: Die geschmacklich abgestumpfte Rattenkolonie ernährt sich von Müll, ist nur am Nährwert interessiert und will von Gaumenfreuden lieber nichts wissen. Sie könnten ja den sündigen Geschmack der Kultur haben. Es ist nicht zu verkennen, dass ...
Gestern sah ich den Berlin-Film "Schwarze Schafe", über den inzwischen ja vermutlich alles gesagt ist. Auf der offiziellen Website des Films gibt es viele Ausschnitte zu sehen und Pressestimmen zu lesen. Ich fand es wunderbar grotesk und absurd komisch. Ganz egal wie gut oder schlecht das Filmkontinuum oder ähnliches gemacht ist. Richtig selbstkritisch für den Blick eines Neuberliners (der Regiesseur ist Schweizer und lebt seit einigen Jahren in Berlin) ist die allerletzte Szene nach dem Abspann. Da kommt ein gut situierter Münchner nach einem harten Tag im noch härteren Berlin komplett genervt und zerstört zurück ins Hyatt-Hotel. Seine Freundin rennt schreiend hinter ihm her und versucht ihm zu erklären, dass er sich nichts dabei denken braucht, wenn sie früher als Aufstiegsfickschlampe verschrien war. Beide sind sie von oben bis unten mit fremder Kotze besudelt und der Rezeptionist guckt sie entsprechend verstört an. Doch in diesem Moment fordert der Münchner plötzlich einen Metropolenbonus ein. Er sagt zum Mann am Empfang: "Was guckst denn du so blöd? Simmer hier in Stuttgart oder in Berlin!" Soll wohl heißen: Wenn diese Stadt schon so krass scheiße ist, dann ist das gefälligst als normale Daseinsform anzusehen, wenn man total verkotzt mit einer heulenden Frau im Schlepptau ankommt. Ja, so ist Berlin und so sind seine Besucher.
Die Mädels in "Prinzessinnenbad" fluchen und schimpfen, dass es wirklich das Herz anrührt: "Bitte, bitte, schenk mir einen Blick, du Wichser". Drei 15jährige Mädchen, Klara, Tanutscha und Mina werden ungefähr ein Jahr bei ihrem Leben in Kreuzberg begleitet. Sie treten anfangs als unzertrennliche Mädchenclique auf, entwickeln sich über die Zeit aber zu drei sehr unterschiedlichen Charakteren, die auch merken, wie sie sich voneinander entfernen. Es ist eine dokumentarische Spielweise des Heimatfilms. Es geht um große Werte - Liebe, Wahrheit, Herzschmerz, Anpassung und Selbstfindung an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Die Regisseurin Bettina Blümner ließ viel Wärme ...
"Golden Door" vom italienischen Regisseur Emanuele Crialese ist ein Film voller dramatischer Poesie, umgesetzt in verführerisch schöne Bilder und beeindruckende, fast schon beängstigende Töne. Der Vater Salvatore Mancuso (Vincenzo Amato) beschließt, nach der Ansicht einiger Bildern aus der neue Welt, aufzubrechen. Die Fotografien zeigten mannshohe Zwiebeln, Hühner und Rüben, die gutgekleidete Bauern mit aller Mühe und großem Stolz transportieren. Größer könnte der Kontrast ...
Einmal im Monat widmet sich das Babylon Mitte dem Kurzfilm. Man nennt das regelmäßig an einem Freitagabend stattfindende Programm "Shorts Attack" (klingt wie der Angriff der Kniefreihosen) und es wird von Interfilm Berlin präsentiert wird. Gestern wurde eine inhaltlich Klammer gestiftet durch die namhaften Schauspieler, die in den verschiedenen Filmen zu sehen waren. Diese "famous faces" waren Jürgen Vogel, August Diehl, Monica Bleibtreu, Anna Thalbach, Otto Sander, Patrick Chesnais und Florian Lukas, die anscheinend gerne die Hauptrollen in den kleinen Produktionen übernommen haben, zumal die Charaktere fast durchgängig ...
Französisch-rumänische Liebe in Gummistiefeln. In der Provinz erblühen schöne Filme.
Der Film "Je vous trouve très beau" von Isabelle Mergault erzählt eine einfache Geschichte einer unmöglichen Liebe voller warmer Gefühle: Der Bauer "Aymé" (Michel Blanc) mit einem Gesicht wie ein Camembert und Augen wie eine Quitscheente verliert seine Frau, die mit ihm in einer gänzlich unromantischen Zugewinngemeinschaft lebte. Da die Arbeit für einen zu viel ist, "braucht" er eine neue Frau. So einfach ist das im ländlichen Frankreich aber nicht und darum ...
Nikolaus Geyrhalters Film "unser täglich Brot" ist eine unkommentierte Dokumentation, die keine Worte braucht. Der ganze Film ist aus Sequenzen zusammengeschnitten, bei denen die Kamera einfach draufhält. Kein Schwenk, kein Zoom, kein Effekt. Puristischer kann man so einen Film nicht machen und darin liegt die Stärke.
Könnten Mutter und Tochter sein. Dagegen spricht ein europäischer Krieg und zwei völlig verschiedene Lebenswege.
Das Leben in Zürich ist nicht ganz einfach für die drei Protagonistinnen. Die Serbin Ruža (das Fräulein) kam vor 25 Jahren in die Schweiz. Sie hat sich durchgebissen und hat eine eigene Kantine in ihren Besitz gebracht. Beim jahrzehntelangen Überlebenskampf ist sie langsam verhärtet und sie hortet krampfhaft ihr mühsam verdientes Geld, das ihr die Unabhängigkeit verschafft, in der sie einsam geworden ist. Eines Tages taucht die junge, gutausehende Ana aus Bosnien auf und hilft unaufgefordert in einem kritischen Moment im Restaurant aus, als die langjährige kroatischen Küchenhilfe "Mila" ausfällt."
meine Opposition gewinnt die Wahl meine Ausschreitungen ich habe Sex im Wartehäuschen meine Erwartungshaltung ist gering den Rohstoffmarkt erobere ich bin im Rennen um 450 Sitze