Gestern zur Premiere im Saalbau Neukölln: Volles Haus, kompaktes Programm. Die Kammeroper Berlin führte die Kammeroper "Blond Eckbert" der britischen Komponistin Judith Weir in der "pocket version" von 2006 auf, nach dem Kunstmärchen "Der blonde Eckbert" von Ludwig Tieck . Das einaktige Stück dauert nur wenig mehr als eine Stunde. Eine Stunde, die musikalisch auf sehr hohem Niveau ausgefüllt wird und inszenatorisch ausgehalten werden muss. Das Libretto hält sich an das Tiecksche Werk, mit entsprechender Erzählverschachtelung. (Siehe dieses Schaubild, für den Schulunterricht von Ulrich Koch. Immerwieder toll, was man mit MS-Word alles anstellen kann.) Die wirklich bedeutsamen Dinge im Leben des Ehepaars Eckbert und Berthe liegen lange zurück und werden im Märchen, wie in der Oper lediglich erzählt. Sie leben abgeschieden und recht einsam. Eine einzige treue Seele kommt sie ab und zu besuchen. Es ist Walter, dem sie eines Tages erzählen, welche schlimme und wundersame Kindheit Berthe hatte. Sie wurde als uneheliches Kind geboren und bald zu einer alten Frau in die "Waldeinsamkeit" gegeben. Diese Zeit war die glücklichste in Berthes Leben, doch beim Heranwachsen zerstörte sie schließlich ihre romantische Umgebung unwiederbringlich durch schnöde Habgier und gemeinen Wissensdurst. Denn ...
Szenenfoto von der Komischen Oper. Foto: Monika Ritterhaus. Auf dem Foto sieht man, dass zu einem früheren Zeitpunkt der Inszenierung kleine Papierflieger gebaut wurden. Inzwischen werden während des Stücks kleine Papierschiffchen gebastelt, mit denen das etwas durchgeknallte Geschwisterpaar Orest und Iphigenie symbolisch vom Strand der Insel Tauris flieht. Passt auch besser zum einwanderungspolitischen Überbau der Inszenierung.
Nach dem Besuch der Orest Inszenierung von Sebastian Baumgarten in der Komischen Oper habe ich im Internet ein paar Kritiken gesucht, weil es mich interessierte, wie dieses Stück aufgenommen wird. Wie vermutet triften die Kommentare weit auseinander. Die Traditionalisten, die ihren Georg Friedrich Händel am liebsten ganz pur als konzertante Aufführung hören oder als zur Entstehungszeit gemäßen barocken Kostüminszenierung sehen, finden diese konsequent moderne Interpretation erwartungsgemäß grauenvoll. Wie kann man den schönen Händel nur so kaputt machen? Die Modernisten rufen bravo, freuen sich über die Aktualisierung des Werks in Form, Bild und Ton und sehen sich mit der Forderung der Rekontextualisierung bestätigt. Ein ideologisierter Lagerkampf. Nun werde ich mich nicht zum Opernkritiker aufschwingen, doch ich möchte meinen Empfindungen und Gedanken ein wenig Ausdruck verleihen. Händels Werk Oreste wird formal als Pasticcio-Oper (Pastete) bezeichnet, was eine Zusammenstellung von Arien aus früheren Werken mit neuem Libretto darstellt. Bei den oft recht verworrenen Libretti anderer Opern kein schlechter Ansatz, um ein wenig Ordnung ins Geschehen zu bringen. Für Sebastian Baumgarten (Inszenierung) und Christopher Moulds (Musikalische Leitung) Grund genug, das Stück neu ...
Oper locker vom Hocker und Polizeistaat von der Rolle.
Puccinis "La Bohème" hat es nach Kreuzberg geschafft. Als "Die Boheme am Kottbusser Tor" wurde die Oper auf eine etwas mehr als einstündige Fassung zusammengedampft, wodurch das schwülstige Werk auch mehr Druck entwickelt. Mit fünf Sänger/innen und einem kleinen Orchester, das im Sound durch ein Bandoneon, eine Baglama (eine Art orientalische Laute) und ein E-Piano aufgefrischt wurde, bespielt das Team den Festsaal Kreuzberg, mehr oder weniger in seiner derzeitigen Existenz, als vorgefundenes Bühnenbild. Schließlich entwickelt sich der Plott ja in einem ärmlichen Künstlermilieu, das man in diesem Raum wahrscheinlich als angestammt vermutet. Zunächst ist es schon etwas befremdlich, wenn die Künstler und die Zuschauer rein visuell nicht voneinander zu unterscheiden sind, denn Oper war doch bisher etwas Erhabenes mit tollen Kostümen in aufwändigen Produktionen. Hier ist das anders, man nuckelt an der Bierflasche und hört dazu ...
Ja, ich weiß. Ein richtiges Fundstück ist es nicht. Das Cover leuchtet einen zur Zeit von jeder Litfaßsäule an. Aber genau das ist der Grund, warum ich die Platte nach bestimmt 4-5 Jahren mal wieder ausgegraben und komplett durchgehört habe.
Nach langer Pause (hier werden die Gründe genannt) mal wieder ein neues Fundstück. Am 22.und 23.06.2007 findet im FEZ Wuhlheide das Seefa V-Festival statt. Eigentlich nichts ungewöhnliches, wenn...
Dieses Fundstück gehört eindeutig in den Bereich "Das will ich auch haben". Es klickert und klackert und klickert und klackert. Bei einem Streifzug durch das Internet bin ich auf das "Electronic Music Interface"-Blog gestoßen und habe unter den Beiträgen prompt das hier gefunden.
Den Singer-Songwriter, der einsam und mit voller Überzeugung das Vorprogramm bestritt, fand ich beeindruckender als die Hauptband. Nur wer war das? Weiß es jemand?
Die zitty hat Recht, wenn sie schreibt: "Hilfe! Die langweiligste Band der Welt ist in der Stadt." Wie konnte ich nur auf die Idee kommen, zu einem Air-Konzert zu gehen? Na gut, in einer ambientigen vom MP3-Player zusammengewürfeten Playlist machen sich zwei, drei Air-Songs ganz gut und das neue Video ist auch recht nett, aber einen Mehrwert durch das Live-Erlebnis ließ sich wirklich nicht feststellen. Das Licht war hübsch anzusehen und sehr gemächlich, der Sound gut und die verunglückten "Tiaitsches" der beiden Franzosen sehr unterhaltsam, aber sonst? Rumstehen, maximal leichtes Wippen und viele schmusende Pärchen. Die ganzen Media-People Berlins waren da. Sie ließen sich mit Hör-Soma ...
Ach ne, schon wieder ein Musikbeitrag. Tztztz. Hoffentlich wird das nicht zur Gewohnheit. Nichtsdestotrotz ist am Freitag letzter Woche eine Spitzen-Platte veröffentlicht worden, und das sowohl von einer Band aus Berlin, wie auch auf einem Label aus Berlin.
Selten habe ich ein so unruhiges Publikum in der Philharmonie erlebt. Was man wissen sollte für klassische Konzerte: Es ist nicht laut genug, dass Hustenattacken nicht auffallen würden! Darum empfiehlt es sich, gut präpariert hinzugehen. Da ich selbst gestern ein Hustenkandidat war, nahm ich Silomat (20 Tropfen stoppen den Husten für ein paar Stunden), Snup (macht einigermaßen sanft Nase und auch Ohren frei) und Neo-Angin (macht den Hals geschmeidig). Alle Medikamente sind in der Apotheke ohne Rezept zu haben, aber nicht zur Dauerbehandlung zu empfehlen!
Viele wissen es längst, für einige ist es neu: Bobby McFerrin tourt als Dirigent von symphonischen Orchestern durch die Lande und verdrängt seine Sangeskunst fast ganz in den Bereich der Zugaben, die er aber sowohl vor und nach der Pause gibt. Gestern war er mit dem Münchner Rundfunkorchester (quasi sein deutsches Stammorchester) in der Berliner Philharmonie und führte durch ein Programm von Mozart über Ravel bis zu Mendelssohn Bartholdy, das vom Publikum hingenommen wurde um seine Solo-Improvisationen abzuwarten. Sobald er dann aber das Mikrophon in die Hand nahm, ...
Das ist weder ein Foto von John Cale noch ein Foto vom Konzert von John Cale! Wer es nicht glaubt kann bei Magritte nachlesen.
Auf dem rauchfreien Konzert, im Postbahnhof am Ostbahnhof, vergangenen Donnerstag gab es echte Musik mit echten Menschen und echt langen Stücken, echt laut und manchmal auch ziemlich leise. Selten habe ich einen Menschen so sensibel sein Mikrofon anbrüllen sehen. Kindliche Rebellion erfüllte den ganzen Raum, ging durch Auge und Ohren mitten ins Herz. Am Ende des Konzertes wollte man, fast etwas aufgeregt, das Heft selbst in die Hand nehmen; raus gehen und Rebell sein. John Cale hat es geschafft, jung geblieben alt geworden. Mit 66 Jahren Erfahrung ist er ...
Wer erinnert sich nicht an den exaltierten Wiener, bei dem Genie und Wahnsinn im Drogenrausch sehr nahe beieinander lagen. Im Langtext gibt es noch mehr seiner schrägen 80er Jahre Videos.
meine Opposition gewinnt die Wahl meine Ausschreitungen ich habe Sex im Wartehäuschen meine Erwartungshaltung ist gering den Rohstoffmarkt erobere ich bin im Rennen um 450 Sitze